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Katrin Remmelberger
Kinesiologie · Systemisches Arbeiten · Lichtkörperarbeit |

Skeptisch, aber neugierig, mache ich mich auf den Weg nach Bad Endorf. Ich will am eigenen Leib erfahren, worüber ich schreibe. Die Kinesiologin Katrin Remmelberger begrüßt mich mit aufmerksamer Offenheit. Im sonnendurchfluteten Behandlungszimmer reicht sie mir ein Glas Wasser: "Trinken Sie, auch wenn sie nicht durstig sind. Gehirn und Nervensystem brauchen ausreichend Wasser, um zu funktionieren. Die meisten von uns haben Wassermangel."
Dann fragt sie, ob ich ein bestimmtes Thema habe, dass ich in unsere Stunde einbringen möchte. Irgendwelche körperlichen Beschwerden? Oder emotionalen Stress? Meine Schwester fällt mir ein. Mit der liege ich seit Monaten im Clinch. Kurz schildere ich das Problem, dann bittet mich die Therapeutin zum Muskeltest. Ich stelle mich vor sie, mit herunterhängenden Armen. Katrin Remmelberger umfasst meine Unterarme und drückt gegen sie, während sie mein Problem mit einem präzisen, sekundenschnellen Fragesystem einkreist. Haben sie noch andere Geschwister? Fühlen Sie sich gerade matt? Ja oder Nein, mehr brauche ich gar nicht zu antworten.
Ich fühle den leichten Druck, den die Fingerkuppen der Therapeutin oberhalb meiner Handgelenke ausüben, und spüre, wie sich meine Arme jedes Mal widerstandslos nach hinten biegen lassen. "Die Muskeln haben abgeschaltet. Durch den Stress mit Ihrer Schwester ist der Zentralmeridian blockiert, die Hauptleitung Ihrer Energie." Ohnmachtsgefühle und Resignation seien die Folgen einer solchen Blockade.

Das will ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich nehme mir vor, die Kinesiologin zu überlisten und gezielt Gegendruck zu machen. Doch als ich versuche, die Unterarme bewusst vorn zu halten, muss ich feststellen: Es funktioniert nicht. Die Arme rutschen weg, ich habe keine Kontrolle über sie.
Wie es sich dagegen anfühlt, wenn ein Muskel stark ist, erfahre ich kurz darauf. Katrin Remmelberger will wissen, ob ich innerlich bereit bin, das unangenehme Familienthema in dieser Stunde zu bearbeiten. Ein kleiner Ruck – und schon sperren sich meine Arme gegen ihren Fingerdruck. Sie versteifen sich förmlich, ohne mein Zutun. "Jetzt ist Ihr Muskel eingerastet. Ihr Körper sagt mir, Sie wollen das Thema angehen", erklärt mir die Kinesiologin.
Die beschäftigt sich weiter mit meinem Arm. Klopfen, drücken, lockern dazwischen immer wieder ein Glas Wasser. Die Zeit verfliegt im Nu. Mal stellt mir Katrin Remmelberger konkrete, persönliche Fragen, dann wieder scheint sie nur zu sich selbst zu sprechen. In Worten und Ziffern, deren Bedeutung ich nicht verstehe. Kurz danach drückt die Therapeutin auf einer Liege verschiedene Punkte meines Körpers, kreuzt meine Arme und Beine in der Luft. Blockaden sollen gelöst, mein energetisches Leitsystemneu verknüpft werden. "Der Zentralmeridian fühlt sich schon kräftiger an", höre ich, als ein bestimmter Muskel erneut "einrastet".
Mein Interesse an der Kinesiologie steigt mit jedem Fingerdruck. Die Stunde könnte von mir aus noch ewig dauern, doch plötzlich geht nichts mehr. Nicht ein einziger Muskel, der noch spürbar "einrastet". Katrin Remmelberger weiß, warum: "Ihr Körper hat für heute genug."
Auf der Rückfahrt fühle ich mich wohlig-entspannt. Irgendwie friedlicher mit mir selbst – und mit meiner Schwester.
Warum? Ich weiß es nicht. Mir fällt ein, was Katrin Remmelberger zu Beginn der Stunde gesagt hat: "Wir müssen nicht auf alles eine Antwort haben. Es genügt, dass es so ist."

Ein Grundsatz, auf den ich später immer wieder stoße. Für die Kinesiologie (griech.: Bewegungslehre) ist das konkret Überprüfbare nicht so aussagekräftig wie das Unsichtbare. Der Test misst nicht die reale Muskelkraft, sondern den "Energiefluss", ähnlich der chinesischen Lebenskraft Chi. Fließt er ungestört, ist der Organismus im Gleichgewicht und kann die Muskeln gut versorgen. Ist der Energiestrom aber blockiert, verändert sich die Körperchemie. Die Lebenskraft ist blockiert, das Reaktionsvermögen der Muskulatur geschwächt.
Basis für die kinesiologische Arbeit sind die Bewegungsabläufe im Körper: Blut versorgt die Zellen mit Sauerstoff, Lymphflüssigkeit transportiert Gifte ab, Nervensignale leiten Informationen weiter. Wie die traditionelle chinesische Medizin seit fünftausend Jahren, so betrachtet auch die Kinesiologie den Körper als eigenständigen Energiekreislauf, der intakt ist, solange er sich selbst im Gleichgewicht hält.
Stress macht Muskeln schwach
Weiche Knie vor einer Prüfung, das Gefühl, vor Angst kaum noch laufen zu können, das sind für Kinesiologen leicht erklärbare Phänomene. Nach ihrer Auffassung wirkt jede Art von Stress auf die Muskeln, die mit dem Zentralen Nervensystem in Verbindung stehen. Der Körper gibt selbst an, ob und an welchen Stellen er im energetischen Ungleichgewicht ist. Zwischen Muskeln und Energiefluss existiert eine enge Verbindung", sagt Katrin Remmelberger.
Der US-amerikanische Chiropraktiker George Goodheart fand vor 40 Jahren heraus: Im Körper gibt es 14 Basismuskeln, die in Verbindung mit den 14 Akupunktur-Meridianen der chinesischen Medizin stehen. Fließt die Energie, ist der zugehörige Muskel kräftig und kann "einrasten". Ist sie dagegen blockiert, schwächelt er und "schaltet ab". Wie der Abschaltmechanismus genau funktioniert. Einige Kinesiologen vermuten, das Gehirn sei nicht in der Lage, den Negativreiz einer Energieblockade plus gezielten Muskeldruck gleichzeitig zu bewältigen. So werde der Reaktionsimpuls des Muskels geschwächt.
Mit der Technik des Muskel-Checks könne die Energiebalance des Menschen "untrüglich greifbar" werden, meinte George Goodheart. Um Störungen auf die Spur zu kommen, befragen Kinesiologen den Körper deshalb mit einer einfachen Ja-Nein-Technik. Schrittweise will man so die Quelle finden, an der die Chi-Energie blockiert ist. Katrin Remmelberger: "Wir arbeiten wie Pfadfinder."

Beim Muskeltest macht der Therapeut langsam und gleichmäßig Druck. Dabei werden die so genannten Spindelzellen im Muskel gedehnt und ein Reflex im Rückenmark ausgelöst, der dafür sorgt, dass sich der Muskel wieder zusammenzieht, also "sperrt". Reagiert er innerhalb eines Testbereichs von 5 Zentimetern, ist das ein Zeichen seiner Stärke: Die Energie im zugehörigen Meridian fließt. Zittert der Muskel dagegen oder gibt er dem Druck widerstandslos nach, "testet" er schwach, hat also eine Energiekrise.
Um solche Störungen zu beheben, nutzt die Kinesiologie die entsprechenden Akupunkturpunkte: Minutenlanges Halten und Massieren soll den Energiefluss stimulieren oder beruhigen. Manchmal werden aber auch Medikamente verabreicht, meist auf pflanzlicher oder homöopathischer Basis.
Mit einem erneuten Muskeltest wird später überprüft, ob sie ihre Wirkung entfaltet haben.
Vor allem in den USA ist die Kinesiologie inzwischen weit verbreitet und wird sogar an Universitäten gelehrt. In Deutschland nimmt ihre Popularität zwar ebenfalls zu, stößt aber bei den meisten Ärzten und Psychologen auf wenig Sympathie.
Der Zulauf der Patienten, so die Kritiker, beruhe auf dem "schnellen Erfolg mit einem simplem Programm". Von Scharlatanerie und "rein subjektiven Humbug" ist die Rede.
Nicht ohne Grund wie es scheint. Denn drei Kontrollstudien an der renommierten Harvard-Universität in den USA ergaben ein vernichtendes Fazit: "Die angewandte Kinesiologie erweckt den Eindruck eines Salontricks." Zugestanden wird ihr lediglich eine gewisse Suggestivkraft sowie ein Placebo-Effekt. Auch an der Universitätsklinik München zeigte man sich wenig begeistert. Die hirnphysiologischen und neurologischen Prozesse seien "stark simplifiziert und außerhalb jeden Verständnisses für die komplexe Organisationsleitung des Gehirns", lautet die Einschätzung.
Miserables Ergebnis einer Studie
An der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf überprüfte die Hautärztin Dr. Barbara Kunz den Wert der kinesiologischen Allergie-Diagnostik. Vier ausgebildete Kinesiologen sollten mit ihren Methoden bei 45 Patienten die Allergieauslöser bestimmen. Nach Ansicht der Mediziner stimmte nur jede zweite Diagnose. Barbara Kunz: "Das Ergebnis war nicht besser als ein Münzwurf."
Den Kinesiologen können solche Negativ-Nachrichten nichts anhaben – sie verweisen auf ihre Heilerfolge. "Es ist nicht wichtig, warum es funktioniert, überzeugend ist, dass es funktioniert", lautet einer ihrer Grundsätze.
Funktioniert hat es auch bei der kleinen Natalja aus Kaufbeuren. Bei elf Schulmedizinern hat die Mutter des an Neurodermitis erkrankten Mädchens vergeblich Hilfe gesucht. "Die hatten nichts außer Kortison", sagte Claudia Schaudinn. Vor zwei Jahren war sie mit ihren Nerven am Ende: "Mein Kind war am ganzen Körper blutig gekratzt, lebte von teurer Apothekennahrung und Reisflocken." Heute, nach zwei Jahren kinesiologischer Behandlung, ist Natalja gesund.
Die Heilpraktikerin und Ökotrophologin Vicky Heer kam den Allergie-Auslösern endlich auf die Spur. In mehreren Sitzungen wurden verdächtige Stoffe, von Lebensmitteln bis hin zu Holzverkleidungen und Tierhaaren, auf den Nabel des Kindes gelegt.

Das Prinzip ist einfach: Schaltet der Testmuskel am Arm daraufhin ab, wird eine bestimmte Substanz vom Organismus nicht vertragen. "Der Muskeltest ist eine überzeugende Diagnosemethode", sagt Vicky Heer. "Vor allem bei so genannten Pseudoallergien. Sie können im klassischen Bluttest nicht nachgewiesen werden, weil sie keine Antikörper bilden."
Wenn feststeht, welche Stoffe die Allergie auslösen, dann ist die Therapie manchmal einfach: Sofern es möglich ist lässt man sie einfach weg, dann verliert der Körper sein "Gedächtnis" für sie. Nach einiger Zeit der Enthaltsamkeit reagiert das Immunsystem dann unter Umständen wieder normal. So wie bei der kleinen Natalja, die bald fünf Jahre alt wird. Sie muss jetzt lediglich auf Nüsse, Kiwis und Ananas verzichten.
Seit George Goodheart hat sich die angewandte Kinesiologie in unterschiedliche Therapierichtungen entwickelt. Am bekanntesten ist die "Touch For Health"-Methode ("Heilen durch Berühren"). Sie wird zum Beispiel bei Schlafstörungen, Migräne, Rückenschmerzen und Angstzuständen eingesetzt. Um diese "geistig-emotionalen Beschwerden" zu beseitigen, setzen die Kinesiologen gezielte Berührungen, Bewegungen und Massagen ein.
Auch andere Berufsgruppen arbeiten mit der Kinesiologie. Zahnärzte wollen mit ihr den Kiefer oder die Angstzustände ihrer Patienten zu kontrollieren. Und Pädagogen hoffen, die Lernleistungen ihrer Zöglinge zu verbessern.
Eine bekannte Situation: Man sitzt am Schreibtisch und grübelt – doch kaum steht man auf, ist die gesuchte Lösung oder Idee da. Für Kinesiologen ist das ein klares Zeichen dafür, dass der Energiefluss im Gehirn blockiert war und nun, beim Gehen, in Bewegung gekommen ist. Denn hierbei schwingen linker Arm und rechtes Bein gemeinsam vor, während es beim nächsten Schritt umgekehrt ist. "Diese Überkreuz-Bewegung löst Blockaden und bringt beide Gehirnhälften zusammen", glaubt der Freiburger Kinesiologe Mathias Lesch.
Im günstigsten Fall kommt dann ein so kluger Kopf dabei heraus wie der griechische Denker Aristoteles: Der hielt seinen Unterricht meistens im Gehen ab.
P.M. Perspektive 01/66 Phänomene der Heilkunst Artikel Kinesiologie von Friederike Bayer
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